C H R I S T I A N M Ö L L E R

C H R I S T I A N M O E L L E R

D I S T O R T I N T O R E A L I T Y

I N F O

 

 

Rückblick. Februar 2014: Ein Gespräch über das System Kunst und August 2011: Schreiben an Jacob Augstein von der Zeitung freitag.

"Eine Heuchelei nach der anderen. Ignorantes Blendwerk bis absorbierender Pfusch in ständiger Mutation. Dazu die Medien: Abgesteckte Aufklärung nach Vorgabe. Eingebettet in Hopsasa und Trallala als Leierei und Konditionierung 24/7 in Serie. Gleichgeschaltet. Quantitativ. Selektiert im Hintergrund auf Linie gebracht. Die Mehrheit: Ohnmächtig hin- und hergescheucht außen vor.

Als wenn es darum ginge wer uns die frohe Botschaft überbringt. - Geld monokulturisiert letztendlich nur alles und daher ist das Ergebnis in der Steigerung immer eine Form von Faschismus. - Der in Geiselhaft genommenen Politik fällt dazu nur Zynismus ein. Unqualifizierte Laienschauspielerinnen und Laienschauspieler am Gängelband der Wahnidee Kapitalanhäufung. Intensivtäterinnen und Intensivtäter auf Ramschniveau.

Es geht nicht darum die Welt zu verändern. Das geht nicht. Jede Generation fängt bei null an. Ganz gleich vor welcher Kulisse. Wenn sie sich dabei auf den "vorgegebenen Leistungen" anderer ausruht, tritt Überheblichkeit zutage die zum Unglück führt, da damit mangelndes Wissen um die Dinge einhergeht. Wie eine Pflanze ohne Wurzelwerk in der Luft. Somit ist die Weitergabe "vorgegebener Leistung" gleichsam wertlos. Erfahrung ist nicht vererbbar.

Es geht aber jedesmal auf´s Neue darum hinzusehen. Denn es gibt nur Vielfalt oder Einfalt. Und Glaubwürdigkeit."

Christian Möller

"Sanssouci ist abgrundtief hässlich. Auf den ersten Blick nicht zu sehen: Die Gemetzel, Massaker und Verbrechen auf denen es errichtet wurde. Niederträchtigkeit als Fundament. Das Gesamtbild, nicht nur dieser abscheuliche, schäbige und verkommene Ausschnitt Sanssouci, sieht aus wie eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte, verkohlte Leiche. An Sanssouci ist alles widerwärtig. Restlos alles. Wie verzweifelt muss man sein, wenn einem so etwas gefällt. - Diese Welt ist eine Hölle aus Lug und Trug. So weit das Auge reicht und so sehr sich das äußere Erscheinungsbild auch wandelt. Ein Trümmerhaufen aus Aufrichtigkeit und Hoffnung. Eine permanente Täuschung. Und Enttäuschung. Der so genannte Fortschritt: Eine Illusion. Wir haben nichts. - Naturwissenschaft als Bekenntnis ist auf jeden Fall ein Irrglaube. So viel steht fest. Es gibt irgendetwas. Aber ich maße mir nicht an es zu benennen. - Und überhaupt Goethe: Dieses schwülstige, schöngeistige Geseire."

Christian Möller

"Die Suppenküche in der Wrangelstraße ist ein großartiges Projekt. Hier wird mit viel Herz eine Leistung erbracht, die viel zu wenig gewürdigt wird. Es ist aber gleichzeitig eine gesellschaftliche und geistige Zumutung, das der gesamte Stadtteil regelrecht heimgesucht wird von raffgierigen Spekulantinnen und Spekulanten aus der ganzen Welt, die durch rücksichtslose Gier eine menschenverachtende Verdrängung betreiben. Sie sind es die geächtet gehören! Nicht die Nutzerinnen und Nutzer dieser hervorragenden Einrichtung. Entwürdigend und enteignend für alle die mitgeholfen haben das einstige Ghetto lebens- und liebenswürdig zu machen.

Nachtrag: Auch wenn diese Einrichtung im Kontext zum Rest hervorragend ist, so ist es doch vor dem geschichtlichen Hintergrund und dem über die Jahrhunderte zusammengeraubten unfassbaren Besitz der größten Verbrecherorganisation der Welt, ein geistiges Armutszeugnis ohnegleichen, das sie überwiegend den "Abfall", wenn auch gerade noch genießbar, für die Leute zusammenkochen. Bei allem Respekt für die Leistung der Einzelnen: Verlogenheit in Reinform."

Christian Möller

"Das nächste Mal klappt´s auf Anhieb! - Das Meisterwerk. Auf diese deutsche Präzisionsarbeit kann man wirklich stolz sein. Hut ab! Königsbronn kann sich glücklich schätzen so einen großartigen Charakter und tollen Menschen hervorgebracht zu haben. - Hätte das Schwein halt pünktlich sein sollen und zuverlässig wie sich das gehört. Die feige asoziale Sau. 77. Jahrestag. Im Übrigen ist der Mythos um Stauffenberg völlig lächerlich und überhöht wie die entschiedene Mehrheit des Adels. 20 Juli. Wo schon fast alles vorbei war sind die erst aufgewacht. Die waren nicht im Widerstand. Die sind alle mitgeschwommen.

Christian Möller

"German Unification Day I demand the Unconditional Surrender of this failed system. A system who not care two figs about humanity and humanism. Germany and Europe is occupied. Military and cultural. The Wall Street is the real government. They decide about wars in the battle for resources. The owners of the mass media are the henchmen and all billionaires and would never indict their own neoliberal system. As long this system work our governments are puppets. We need a peaceful system what works for all humans. 600 billion for weapons every year. But 60 millions excluded poor. Enormous low wage sector. But fly to the Mars? NSA? Especially the absolute failed social policy. A country with such a bad home policy should never presume terrorise the whole world. Should never cause worldwide wars. It is this neoliberal system what creates these wars. I wanna have a new finance system what ends ruin everything. That is no law of nature. That is created by some few people. The history of wars may not not be repeated again. We need a new thinking and we should observe very exactly what lies these mass media tell us every day. Right now we could feed 12 billion humans. We need 135 billion eradicate poverty. 2012 the world spent 1735 billion on war. Bill Gates owns 76,6 billion. That is an absolute sick system. It is not acceptable that 795 million humans have not enough to eat, that about 2 billion have less than 2 Dollar for a day. And still every 3 seconds die a human through hunger. 2016 has 1% of the mankind more than the rest of the world. That is feudalism with a new face. It will be arise something new. Something better."

Christian Moeller

"After 9 minutes two men of the security service reached the "No society - No community - A sect" show at midday September 14th and finished humorless our opening. Nikolai and me were encouraged promptly stop everything. I asked for a photo of them in front of the works: No way! The wall is property of the Mall and only shopping is allowed. But shopping is like praying. Therefore: A sect. As a matter of course the wall was not damaged.

Take photos inside the building is also forbidden. I talked friendly with the security so we must not leave the building after the show. Shopping is allowed. Consuming also. But only at the right places where you get things for money. But only that. I guess thinking is allowed. But only about shopping and consuming. Without money you are a nothing inside. Thereby it is the other way round. You are everything and the things outside of you are nothing.

Ich hoffe die Geldscheine sind zu erkennen die vom Himmel herunterregnen. Das hat in Frankfurt am Main tatsächlich stattgefunden. Dort hat Jemand eine erhebliche Summe verschenkt und Jede und Jeder durfte sich bedienen, nachdem das Geld in großer Höhe ausgeschüttet wurde. Das Einkaufszentrum am Potsdamer Platz ist der neuste Geld-, Konsum- und Illusionstempel in Berlin und wurde vor zwei Jahren eröffnet. Offiziell nennt er sich "Mall of Berlin". 240 Geschäfte sind dort untergebracht. Ich denke inhaltlich trifft der Titel den geistigen Zustand unserer Kultur sehr gut. Das überdimensionierte Anhäufen von Geldmitteln und Besitz ist die ausgerufene Religion die alles durchdringt und an jeder Ecke propagiert wird. Ein Trugbild, dessen Wert in keinem Verhältnis zu unserem Wesen und den grundlegenden Bedürfnissen unserer Existenz steht. Es hindert uns vielmehr uns selbst zu erkennen und wir zu sein. Im Grunde ist es ein riesiger, unnötiger, sinnloser Umweg. Sekte als Begriff deshalb, weil dieses künstlich erzeugte Ideal zu ungeheueren menschlichen Verwerfungen in der Geschichte geführt hat und führt. Es erfüllt nicht was es verspricht. - Das gesellschaftliche Regularium ist neben anderem in erster Linie die Ächtung durch Geldmittel und das Instrument der Medien. Geld ist das Druckmittel gesellschaftlicher Gefügigmachung schlechthin. Aber vor allem ist es vollkommmen überbewertet. Die entscheidenden Faktoren, die unser Leben im Wesentlichen ausmachen, solange die grundlegenden Bedürfnisse gedeckt sind, sind nicht zu erwerben. - Wer sich wirtschaftlich "unten" bewegt sieht sich oft dem Unmut und der Schikane derer ausgesetzt, die alles für das "Äußere" tun und viel dafür aufgeben. Das "Äußere" widerum ist nur ein Versprechung die leer ist. Eine Lüge.

Das Hauptproblem mit dem Geld ist, das es uns mehr trennt, als das es uns verbindet. Es schiebt sich zwischen alles. Wenn es zur Religion wird, ist es eine Krankheit. Eine geistige Seuche.

Macht, Besitz und Geld sind vor allem eins: Letzten Endes allesamt wertlos. Wenn sie nicht dem einen und einzigen Zweck dienen. Das es für die Menschen eingesetzt wird und sie füreinander da sind. Das Menschsein ist das Göttliche. Nicht der Glaube an tote, leblose Materie. Diese Kultur tut nur so, als sei sie offen strukturiert. Ansonsten müsste sie sich nämlich selbst abschaffen. Sie ist nur zugänglich für diejenigen die gehorchen, mitmachen und sich ausbeuten lassen. Die vermeintlichen Freiheiten, sind gar keine. Sie sind Täuschungen. Aufklärung ist überwiegend unerwünscht und führt zum Ausschluss. Sie ist mit der Ketzerei gleichzusetzen, der sich die Kirche, zur Zeit ihrer Herrschaft bemächtigt hatte, um Menschen die vom Weg abgekommen sind, zurückzuführen. Durch Folter und Mord. Die heutigen Formen sind oft subtiler. Aber sie sind genauso wirksam. Was nicht ins vorgegebene Bild passt wird aussortiert. - Das Glück ist immer ganz nah und einfach. Daran hat sich über die Jahrtausende nichts geändert. Technische und medizinische Errungenschaften haben uns zweifelsohne erheblich geholfen unsere Lebensqualität zu verbessern und Leiden zu lindern. Damit haben wir das Leid des Lebens insgesamt aber jedoch auch nur verlängert. Und all das steht auch in einem Widerspruch dazu, das wir dies nur bedingt anwenden. Nicht zugänglich machen. Die unglaubliche Differenz die geschichtlich durch Macht, Besitz und Geld erzeugt wurde und wird ist eine Verwerfung für Alle.

Der Titel beinhaltet auch meine Biografie. Das Geld war der Fluchtpunkt aus dem Trauma des Krieges und die Fortsetzung des "Größenwahns" mit anderen Mitteln. Der Wiederaufbau richtete sich auf ein "Äußeres" und es war und ist auch die Religion der vermeintlichen Gewinner, die heute von ihrer eigenen Geistlosigkeit eingeholt werden. Was am Mittwoch den 14. September im Einkaufszentrum vor Ort passiert, zu sehen sein wird und geschieht entscheide ich in den Tagen davor. Ich habe mir einen großen Spielraum offengehalten und habe eine große Auswahl."

Christian Möller

 

 

Christian Möller, geboren in der südwestdeutschen Industriestadt Ludwigshafen am Rhein, ist ein deutscher Maler und Künstler. Sein Werk umfasst neben der Malerei Zeichnung, Skulptur, Installation und Intervention. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Wegen Ungehorsam und Aufruhr wurde er in seiner Jugend von zwei Gymnasien verwiesen und musste mehrfach Schulklassen wiederholen. Während einem Schul - Konzert mit seiner damaligen Punkband „Atemstillstand“ ließ der Direktor den Strom abstellen.

Sein Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe beendete er mit dem Diplom und Meisterschülertitel bei Prof. Horst Antes. Noch während seines Studiums begann der Künstler seine Bilder ausschließlich in Schwarz- und Weißtönen zu malen. Die anfänglichen Friedhof-, Nacht- und Industrielandschaften wandelten sich im Laufe der Zeit in eine stark expansive, heftige und tiefgründige Malerei. In seinen Arbeiten erzeugt er durchdringende Bildwelten, die oft übersteuert und dramatisch wirken. Verwüstung, Schmerzen, Wut, Trauer, Verzweiflung, Horror, Chaos, aber auch der durch diesen Ausdruck entstehende Mut, Zuversicht, Gelassenheit, Ruhe, Kraft und Glück fliessen in Möllers Bildern zu einem Ganzen aus Licht und Schatten ineinander. Seine Arbeiten besitzen eine hohe Sensibilität und große künstlerische und technische Fertigkeit, die er spielerisch einsetzt.

Möller beschreibt den geschichtlichen Hintergrund, vor dem er aufwuchs, als eine Zeit, in der die Generation seiner Eltern damit beschäftigt war, die Schrecken und Nachwirkungen des Krieges im Konsum und der Vorstellung einer heilen Welt zu ersticken. Die in der NS Zeit geprägte Sprache empfindet er als unerträglich. Durch seine unkonventionelle künstlerische Herangehensweise ist es ihm gelungenen die Tür zu einer Bilderwelt zu öffnen, die ihm den malerischen Raum bietet „Nicht-Sichtbares“ sichtbar zu machen. Seine Arbeiten sind dabei oft auch auf die Schattenseiten und seelischen Abgründe der menschlichen Existenz mit all ihren Facetten ausgerichtet: dem was im Verborgenen liegt und Fragen aufwirft. Dabei befasst er sich mit den geschichtlichen Hintergründen unserer Zivilisationen, mit Philospohie, Psychologie, Literatur und Mythologie. Themen wie die europäische Hexenverfolgung der frühen Neuzeit, Krieg, Industrialisierung, Christianisierung, soziale Ausgrenzung, Missachtung, Misshandlung und Kindesmisshandlung sind keine Seltenheit.

Unter anderem hat er an Ausstellungen im Haus der Kunst in München, im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main, im Kunstverein Braunschweig und im Badischen Kunstverein Karlsruhe treilgenommen. 2007 hatte er seine erste Einzelausstellung in Los Angeles. Ein Jahr darauf in London. 2011 folgten Interventionen in Rio de Janeiro und Santa Fe. 2012 stellte er in Toronto und Mexico City aus. Seit 2011 fanden mehrere Interventionen im Ausland und Berlin statt. 2016 stellte er bei Berlin Weekly aus.

"Meine Bilder sind wie der Blick in eine andere Welt. Sie sind das was war und ist. Durch Höhen und Tiefen im Leben und die daraus entstandenen Grenzerfahrungen war ich oft gefordert mich Unbekanntem zu stellen und habe gelernt ohne Absicherung zu improvisieren. Jetzt kommt mir das beim Arbeiten zugute, da es mir leicht fällt angelernte Denkmuster zu durchkreuzen und ich keine Angst habe sie über Bord zu werfen.

Tiefgreifende, einschneidende und schmerzhafte Erlebnisse im Leben haben mich zum Nachdenken gebracht und mein Fühlen bestimmt. Mein Denken ist nicht erdacht. Deshalb wird es mir nicht gelingen alles gedanklich und gefühlsmäßig zu erfassen oder zu erdenken. Das ist Niemandem von uns gestattet. Ich kann mich aber immer auf diese Basis besinnen. Sie ist das Zentrum meines Seins. Es ist doch verstandesmäßig paradox, das genau diese Tiefpunkte in unserem Leben, unsere Stärke sind. Uns tief blicken, tief empfinden lassen.

Es ist die Ursprünglichkeit die mich vollständig vereinnahmt beim Malen. Es wird immer das sein was ich bin. Ich mag keine Auflagen, keine Drucke und keine vorgefertigten Dinge. Es soll aus dem Nichts kommen. Wie ein Weg den ich nicht kenne. Wo Niemand ist und war. Alle Originale bearbeite ich mit der Hand. Im Grunde malen sie sich von alleine. Wenn ich bei mir bin, in meinem Fühlen, in meiner Abgeschiedenheit, meiner innersten Tiefe und meiner Mitte, stehe ich oft daneben und begreife es nicht. Alles geht von selbst. Als wäre es schon immer da gewesen.

Malen ist ganz einfach. Eindruck-Ausdruck. In der Schule hatte ich am liebsten aus dem Fenster gesehen und mir eine Welt erschaffen, die es außerhalb meiner Phantasie nie gegeben hat, nie geben wird und nicht gibt. Eine existenzialistische Überlebensstrategie. Ich hatte Sprache als etwas Negatives erlebt. Sie wurde verwendet, um Wahrheit zu verdrehen, um wegzuführen von einem selbst, um wehzutun. So blieb nur das Sehen. Sie stand immer im direkten Zusammenhang mit den Erlebnissen. Eigentlich habe ich kein Vertrauen in sie. Es ist noch erschüttert. Ich lese kaum Bücher, nach 3, 4 Seiten baue ich aus innerer Abwehr ab. Ich befasse mich dann mit den Autoren und dem Geschriebenen über den Weg der Beobachtung. Anhand von Ausschnitten, wie sich das anfühlt was Jemand schreibt, wie die Person es schreibt. Was sie schreibt. Lyrische Dichtung, Prosadichtung und Aphorismen kommen mir entgegen. In wenigen Sätzen viel sagen ist unbeschreiblich toll. Als führe man die Sprache zu ihrem Ursprung zurück.

Das Malen trifft mich, ist mir sehr vertraut und geht leicht von der Hand. Malen, wie ich es verstehe, ist im Grunde ganz einfach. Es besteht aus dem Einklang von fühlen und denken. Darin liegt unsere ganze Tiefe. Und dieser Einklang bezieht sich auf das Einzige was wir haben. Auf uns selbst. Wir haben es jedoch gelernt abgeschnitten davon zu sein und damit kompliziert. Verwertbar für Andere.

Die meisten Menschen sehen das Malen vom Denken her. Das ist ein Missverständnis. Sie ordnen diese Sprache in das durch unsere Sprache vermittelte Denken ein. Es lässt sich jedoch nicht in unsere Sprache übersetzen. Das geht nicht. Es ist wie wenn man kein Französisch spricht, aber das Französisch beschreibt. Wie es klingt usw. Es braucht auch keine Übersetzung. Neben Lauten, ist es unsere älteste Ausdrucksform und eine seltene Sprache, die nicht vielen Menschen zugänglich ist. Das hat ganz einfache Gründe. Man muss sie selber handhaben, um sie zu lernen, sie lesen zu können. Mit dem Verstand ist sie nicht zu begreifen. Aber natürlich gibt es auch Künstlerinnen und Künstler die mit dem Denken malen.

Wenn ich male komme ich bei mir an. Es ist Mittel zum Zweck. Alles was da reingedichtet wird trifft es nur bedingt. Dadurch entsteht schnell eine Aura des Mystischen. Was totaler Unfug ist. Es ist eine völlig banale Tätigkeit. Aber genau das sind wir eben auch. Und das spüren die Menschen. Würden alle malen, würden es alle verstehen. Für mich ist es eine Zwischenwelt außerhalb des reinen Denkens. Und meine Arbeit ist auch eine Form von "Nein". Eine Haltung, die in existenzialistischen Erlebnissen begründet liegt.

Da ich in einer Winternacht geboren wurde mag ich das Licht von Nacht, Nebel und trübem, grauen Wetter sehr. Das Licht von Schnee in der Nacht, von Schnee am Tag. Und nur um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Die Familie wollte das ich Arzt werde. Deswegen die Spritzen als Symbol für gesellschaftliche Indoktrination in Zeichnungen und frühen Bildern. Nicht wegen Drogen.

Meine Arbeiten sind ein zweischneidiges Schwert. Diejenigen die sich damit nicht befassen wollen, weil es sie am konsumieren hindert, interessieren sich sowieso nicht für Bildende Kunst, sondern nur für Kitsch, Klatsch und Tratsch. Ich überzeichne diese Begrifflichkeiten mit Absicht, um es deutlich zu machen. Es ist nun einfach mal so.

Dann bin ich halt ein Leben lang der negative Maler, was natürlich totaler Unsinn ist. Aber die Leute, von den Medien bombardiert, mit Fehlinformation, denken so. Ich bin ja ein netter Mensch. Freundlich, zuvorkommend, gut gelaunt und sehr, sehr oft sehr, sehr glücklich. Ich drücke ja alles aus.

Kunst ist Bildende Kunst. Bildende Kunst = Bildung = Erkenntnis = Wahrheit. Diese Kultur und Kunst schließen sich gegenseitig aus. Sind ein direkter Widerspruch. Im Ursprung hat Kunst und Geld nichts miteinander zu tun. Das wird immer so bleiben. Alles andere ist keine Kunst.

Diese Welt gehört uns allen und sonst niemandem.

Man muss ja nur die Wahrheit sagen. Das ist ja schon ein Skandal.

Mein Glück ist es, das mir der Glaube an Geld und Reichtum früh abhanden gekommen ist. Das macht mich frei.

Ich bin so reich in mir durch diese Arbeit geworden. Es haben sich Türen ohne Ende in eine unglaublich tolle Welt geöffnet. Sie entschädigen mich für alles was ich durch den Mangel an Mitteln erleide. Ich würde nie wieder tauschen wollen.

Das ist es was ich vermisse: Das es um geistige und innere Erkenntnis geht. Um Inhalte die unser Leben nicht unterhalten. Uns wegführen. Das wir innehalten. Das wir ankommen in unserem Geist. In unserer Angst. Umso weniger ich habe, umso mehr begegne ich mir. Dann wächst meine Seele, meine Wahrnehmung, mein Bewusstsein, dann wachsen meine Gefühle, meine Erinnerungen, meine Bilder in mir. Jegliches heilt dann das Denken. Es ist wie eine Welt die sich auftut. Alles ist schon da. Ich habe es nur nicht gesehen."

Christian Möller


 

Dr. Andreas Vowinckel in dem Katalog, "Bilder. Ganz weit weg; Über die Erfindung der Sehnsucht nach nur noch Blumen am Himmel, das Warten bis es hell wird und die Abseitsfalle", herausgegeben vom Badischen Kunstverein Karlsruhe und dem Kunstverein Braunschweig 1998, ISBN 3-89309-083-5.
"Ich überlasse der Form mehr Freiheit, wenn ich sie nicht mit Farbe bewerte"
(Christian Möller)

Die Bilder von Christian Möller üben eine fremdartige Anziehungskraft aus. Ohne Farbe nur mit Schwarz- und Weißtönen auf großen Leinwandflächen entwickelt, lenken die heftigen, ausladenden Bewegungsschübe die Wahrnehmung des Betrachters in ein undurchdringliches Dickicht kompakter und transparenter Formen. Sie bleiben Fragment, flächig angelegt und doch in jeder Zone vielschichtig farbräumlich modelliert. An keiner Stelle vermittelt der Bewegungsablauf in der Pinselführung eine Ruhe und Gelassenheit oder inneres Gleichgewicht in den kreisenden, gerichteten, ellipsoiden oder linearen Formen. Vielmehr drohen die Unruhe und Kürzelhaftigkeit der Farbensetzungen, einer heftigen in äußerster Erregung hingekritzelten Folge von Zeichen und Buchstaben in einem Brief oder einer Tagebuchnotiz vergleichbar, die sich erst aus der Distanz des Lesens zu einer Einheit und ablesbaren inhaltlichen Mitteilung formen, auf den Leinwänden in einem Chaos der bildnerischen Zeichen und unendlichen Räume zu versinken. Dem Sog kosmischer Weiten eines grenzenlosen Alls ausgeliefert, das sich dem menschlichen Vorstellungvermögen entzieht, tauchen einzelne Formfiguren unerwartet, ebenso schnell wie sie verschwanden, aus den Untiefen wieder auf.

In diesem Grenzbereich zwischen der Oberfläche der Leinwandbilder, auf denen die Spuren der Farbensetzungen ablesbar sind und der bildnerischen Tiefenräumlichkeit der Farbenmodulationen aus Schwarz-/Weißtönen in unendlichen Mischungsverhältnissen aller nur denkbaren Grauwerte von tiefem Schwarz bis zu dem hell aufleuchtenden , funkelnden Lichtblitz eines blendend hellen Weiß gewinnen die Bilder von Christian Möller ihre innere Spannung. Sie fordern zum Sehen heraus. Sie locken und verführen den Betrachter sich widerstrebend in das dramatische Geschehen verwickeln zu lassen. Auch wenn er sich mit Abscheu und Angst vor dem Unbekannten, vor solchen Welten, die ihm keine Schönheit, keinen Genuß des Ästhetischen, sondern möglicherweise das Grauen und Abgründe zu verheißen scheinen und gerade deswegen sich gegen diese zu wehren, zu verweigern versucht, blickt er doch nur in sich selbst hinein. Erst einmal eingetaucht in diese lichtdunklen labyrinthischen Räume, führen sie den Betrachter, zwar auf sich alleine gestellt, aber doch vom Künstler geleitet, wie Dante von Vergil in seiner "Divina Commedia", in Welten des Infernos ebenso wie des Glücks, dort wo das Leben spielt. Je länger man sich in den weiten Bildräumen bewegt und durch sie hindurchstreift, desto reicher und überraschender werden die Entdeckungen jener Bilder, die sich in unserer Fantasie einstellen und unser Denken zu beschäftigen beginnen. Es sind nicht die Bilder, die Christian Möller besetzt hielten, als er sich auf seine malerischen Seelenwanderungen begab, sondern unsere eigenen Bilder, die wir in uns entdecken.

Hierzu tragen auch entscheidend die großformatigen Leinwände bei. Sie überschreiten proportional wesentlich das natürliche Körpermaß und den normalen Aktionsradius von einem einzigen Standpunkt aus für die körperlichen Handlungen der Arme im Malprozess. Sie zwingen damit den Künstler ebenso wie den Betrachter sich ständig vor der Leinwand zu bewegen, die Haltung zu verändern und den Arbeitsplatz des Malens oder des Betrachtens zu wechseln. Aus der Bewegung heraus, die nicht nur körperlich bedingt ist, sondern sich auch, ja vor allem im Geistigen, Seelischen, Emotionalen eines wahrnehmenden Denkens, Empfindens und Erinnerns manifestiert und dadurch in bildnerischen Handlungen und Farbensetzungen künstlerische Gestalt annimmt, verdichten sich die abstrakten Farbenkürzel zu Formgebilden mit einer immanenten Struktur und organischen Gesetzmäßigkeit, gewinnt das scheinbar undurchdringliche Chaos der Farbenräume Ordnung, Richtung und ausgewogene Stabilität. Jedes Bild ist damit notwendigerweise das Ergebnis eines langwierigen Arbeitsprozesses. In und mit ihm durchlebt Christian Möller von der ersten Setzung auf der nackten Leinwand bis zum abgeschlossenen Bildgefüge alle Höhen und Tiefen von äußeren und inneren Spannungen, Wahrnehmungen, Beobachtungen, Ereignissen, die ihm im Alltäglichen widerfahren.
Er trägt sie bildnerisch bis zu dem Moment aus, wo er sich nach vielen Übermalungen, Lasierungen in kompakten Farbenverdichtungen und/oder transluziden Farbenauflösungen in einer Zuständlichkeit bindet und sie darin beläßt, wo er glaubt für sich sein inneres Gleichgewicht gefunden zu haben, wie er selbst hervorhebt: "Und wenn ich dann sehe, daß das mit mir in Übereinstimmung steht, dann habe ich schon sehr viel erreicht..." (aus: Christian Möller, Wir Kinder vom Rhein, 1994, herausgegeben von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe)

Auch wenn im Malgrund vereinzelt unerwartet figurative Anspielungen auf Menschen, Landschaften oder Gefühlsbewegungen auftauchen können, die gedankliche Hintergründe erkennen lassen mit denen sich Christian Möller beim Arbeiten beschäftigt haben mag, gewinnen seine Arbeiten in einem Stadium der Durcharbeitung jene formale und inhaltliche Dichte, Reife und Entgültigkeit, die erst im Zustand der inneren "Übereinstimmung" zwischen dem Künstler und seinem Werk in eine Ambivalenz des Wirklichen umschlägt: es ist die Ambivalenz der Autonomie des Malerischen in einer Malerei, die sich selbst sui generis reflektiert und es ist die Ambivalenz einer Inhaltlichkeit, die ihre Aussagefähigkeit aus der Substanz, Struktur und Dichte der malerischen Farben- und Formengestaltungen im Spannungsverhältnis des Abstrakt-Konkreten ihrer realen Zuständlichkeit bezieht. Diese füllt sich mit realen Gedanken, Assoziationen und Emotionen auf, in deren Bilder wir uns selbst, das Wirkliche unseres Seins, unseres Sehens, unseres Denkens und Empfindens entdecken und erkennen können. Christian Möller unterstreicht diese Tendenz in der Lesbarkeit seiner Bilder auch mit Titeln etwa von solchen hier gezeigten und dokumentierten Arbeiten, wie: "Stumpf ist Trumpf" oder "Und schon wieder ein Tag näher am Grab" (1994), oder "Neues aus dem Land der Mißgunst und warum die Gräber voller Optimisten sind" (1996), bis zu "Nur noch Blumen am Himmel" (1997), "Bei der Verleihung des Staatsstipendiums für geistige Aufklärung erinnern wir uns an den Tafeldienst" oder "Der neue Weg und der letzte Dreck und zur Gewöhnung an Arbeit und das Licht auf den Feldern dahinter" (1995) Diese aus alltäglichen Erfahrungen und kritischen Beobachtungen des Geschehens um ihn herum abgeleiteten sprachlichen und damit auch autobiographisch motivierten malerisch gestalteten Bilder gewinnen erst in ihrer immanenten Spannung zwischen dem Sichtbaren und Nichtsichtbaren, dem flächig gebundenen unendlich vielschichtigen Farben- und Formengefüge und dem gedanklichen Gehalt möglicher Assoziationen schließlich eine über den Künstler hinausweisende Dimension und auch Legitimation in dem Sinn, den sich Christian Möller selbst setzt: "Entscheidend ist, das Gesamtverhältnis zwischen sich und der Welt zu sehen." (Christian Möller)

 

 

Dr. Andreas Vowinkel writes in the catalogue: "Pictures. Very far away; on the invention of longing for a sky of only flowers, the waiting until dawn and the trap of being apart." published by Baden Art Association, Karlsruhe, Germany and Art Association Braunschweig, Germany 1998, ISBN 3-89309-083-5 "I allow a form more freedom, if I do not evaluate it with colours" (assign it colour)
(Christian Möller)

The paintings of Christian Möller exert an exotic attraction. Developed merely in black and white tones on large canvasses, the intense, attenuated and pushed movements draw the viewers attention into an impenetrable thicket of compact and transparent forms. They remain fragments rendered two dimensional, however they are in every section modelled multi-layered colourspaces. In no place do these brushstrokes evoke peace and resignation or inner balance in the circling, directed, elliptical or linear forms. More than that, the restlessness and shorthanded notation of colours, which is an intense series of signs and letters scribbled in extreme excitement comparable to a letter or entry in a diary and forming both a unity during the more distant process of reading as well as a readable message, is in danger of drowning on the canvass in a chaos of pictorial signs and endless spaces. Given over to the pull of cosmic breadth in the boundless universe, which is incomprehensible to human conception, single formed shapes reappear as unexpectedly out of the abyss as they disappeared.

The paintings of Christian Möller generate their inner tension in this border area between the surface of the canvass, which reveals the traces of the set colours, and the pictorial depth of colour modulation in endless ratios of black and white tones in all thinkable values of grey to dark black to brightly sparkling flashes of white light. They invite looking. They attract and allure the observer to be reluctantly involved in the dramatic event. Even when he, with aversion and fear of the unknown of such worlds which do not promise beauty, or enjoyment of the aesthetic but probably dread and abysses, tries to defend himself against these, and in trying to resist, then still only looks into himself. The images guide the observer, once submerged inside these dim labyrinth spaces, left alone yet directed by the artist, as Vergil by Dante in the "Divine Comedy", to the world of the inferno as well as to happiness, where life is played out. The longer one stays in these broad painted spaces and moves through them, the richer and more surprising the discoveries of those images which start to come up in our fantasy, occupying our thinking recome. These are not the images which obsessed Christian Möller when he departed on his artistic incarnations, but our own images, which we discovered inside of us.

The canvasses with their large format contribute considerably to this. They exceed proportionally the natural scale of the body and the area which in the process of painting can be reached by the arms from a single position. The format forces the artist as well as the spectator to move constantly in front of the canvass, to change posture, and to change standpoint for painting or looking at. Out of the movement, which is not alone conditioned by the body, but as well, or even above all, manifests itself in the intellect, spirit and emotion of perceptual thinking, sensing and remembering, the abstract shorthanded colour notations condense to formed shapes with an inherent structure and an organic regularity. And the apparently impenetrable chaos of colourspaces gains order, direction and balanced stability. Therefore, each painting is necessarily the result of a timely work process. Within this process from the first notation on an empty canvass to the finished image structure, Christian Möller lives through all the ups and downs of inner and external tensions, perceptions, observations and events he encounters in his daily life. He pictorially develops them to the point where he binds himself to one state after many solid and transparent coatings in compact, condensed colours and/or transparent, dissolved colours and leaves them where he feels he has found his inner balance, as he himself points out: "And when I see that this is in agreement with me, then I have achieved a lot…" (in: Christian Möller, Wir Kinder vom Rhein, 1994, published by Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe)

Even when unexpectedly figurative allusions to people, landscapes or emotions appear, showing the intellectual background which might have occupied Christian Möller while working, it is in the working process itself that his works gain their formal and substantial density, maturity and finality. This then shifts into an ambivalence of the real only in the state of internal concord between the artist and his work. It is the ambivalent autonomy of the picturesque in painting which reflects itself sui generis. And it is the ambivalence of content which draws its potential statement from the substance, structure and density of the artistic design of colours and forms in the tension between the abstract and the concrete in their states of reality. This ambivalence charges itself with real thoughts, associations and emotions, in whose images we can discover and recognize ourselves, the reality of our being, seeing, thinking and feeling. Christian Möller underscores this tendency in the readability of his paintings with titles, such as those of the works shown and documented here:
"Stumpf ist Trumpf" or "Und schon wieder ein Tag näher am Grab" (1994), or "Neues aus dem Land der Missgunst und warum die Gräber voller Optimisten sind" (1996), or even "Nur noch Blumen am Himmel" (1997), "Bei der Verleihung des Staatsstipendiums für geistige Aufklärung erinnern wir uns an den Tafeldienst" or "Der neue Weg und der letzte Dreck und zur Gewöhnung an Arbeit und das Licht auf den Feldern dahinter" (1995)*
These verbal and therefore autobiographically motivated images rendered artistic and deduced from everyday experiences and critical observations of the events around him,
finally gain a dimension and legitimisation exceeding the artist himself in the sense, which Christian Möller sets for himself: "What is crucial is seeing the relationship between oneself and the world."(Christian Möller)
_________
"Dull is Trump"
"And Once Again a Day Closer to Grave"
"New from the Land of Grudge and why the Graves are Filled with Optimists"
"Only Flowers left in the Sky"
"At the Awarding of the State Scholarship for Intellectual Emancipation We Remember the Table Service"
"The New Path and the Last Dirt and getting used to Work and the Light on the Fields Beyond"

 

Berlin based artist Christian Moeller was born in the southwest industrial city in Ludwigshafen on the Rhine, Germany “and grew up in a time where the generation of my parents was busy drowning the fright and aftermath of the war with consumption and the conception of an ideal world“. He trained at the Academy of Fine Arts in Karlsruhe with Horst Antes and his paintings can be seen as visual manifestations of the deepest repressed emotions and darkest experiences which lie at the heart of the human psyche. Drawing inspiration from what he calls "the mental abyss of human existence", Christian strives to make the invisible visible.

Christian Moeller's huge canvases serve as a startling reminder of our own diminitive position in relation to the universe. Loneliness, destruction, pain and chaos confront us with uncompromising force. Titles such as "And Once Again a Day Closer to the Grave" and "New From the Land of Grudge and Why the Graves Are Always Filled With Optimists" are perhaps a nod to Samuel Beckett's existential masterwork Waiting For Godot:

"Astride the grave and a difficult birth.
Down in the hole, lingeringly, the grave-digger puts on the forceps.
We have time to grow old. The air is full of our cries."

However unsettling, these large and malevolent canvases loom before us, attracting us rather than repelling. They exert an exotic attraction, luring us deep into the abyss. The act of looking has never been less passive. This work demands our engagement: we must move around, stepping backward and forward and left and right, as we navigate our way around the painting, but our
effort is certainly rewarded. We are able to discern a richness and depth in the midst of the darkness.

Moeller says: "I allow a form more freedom if I do not evaluate it with colours", and we see that the engulfing blackness is puncuated with tantalising strokes of white and layer upon layer of grey tones: mysterious forms begin to emerge before us. The frenzied brushstrokes represent an interior stream-of-consciousness laid bare upon the canvas, which is transformed into a stage
upon which the subconcious plays. Gradually, the manic strokes converge before our eyes to form a coherent and cathathic whole.

To look is to embark with Christian Moeller upon a journey from which we emerge slightly shaken, but with a greater knowledge of ourselves and of the human condition.

Kerry Edwards, London 2007

 

 

 

Statement

Painting is the real big challenge in my life. I am very happy because I never wanted to be anything else but a painter. The story of my life offers endless material to me. I was born in the southwest industrial city Ludwigshafen on the Rhine, Germany and grew up in a time when the generation of my parents was busy with drowning the fright and aftermath of the war with consumption and the conception of an ideal world. At home was like hell on earth and in school I felt like a stranger. I wanted to break free from this limitedness with its prefabricated, dependent conventions. Speech, means of expression of the school, the society and my home, to me was always an instrument of those regimentations (about the origin of speech in the human brain they say the following: First comes the form then the content and what won’t match in the end will simply be corrected) and so all that was left was vision. The vision was a world of its own. I held on to that and didn’t let go of it to this day.

I create a picturesque room, by making the invisible visible. My works that appear very dramatic are always also directed to the shady sides and the mental abyss of the human existence, with all their facets: What lies in the secrecy and poses questions to me. They address subjects like destruction, pain, violence, horror and chaos. During my studies in 1990 I began to paint my pictures solely in shades of black and white. In the course of time the initial cemetery-, night – and industrial landscapes changed to strong expansive, profound and bulky painting. I often deal with historical subjects, like the Industrialization, the history of the European witch-hunt in the early modern times, wars, the historical background of our civilizations, the Christianization and its consequences, philosophy, psychology, literature and mythology.

My world is small but my universe is huge. I discovered that I have everything in me that it takes for me to develop my own aesthetic using my perception.

My paintings are similar to a stage play. The stage setting – which in my case would be the paint – is kept simple on purpose, to allow myself to evolve my inner monologue – the form. But different from an actor, in my studio I go beyond the mere identification with my own figures. I to go through them in my works.

Christian Moeller

 

 

 

Links


    

artoftoday

aufwaertstotal

talenthouse

berlin-projekt

Idiosynchronism movement

wirwollennichtzurdocumenta14

flickr

flickr

KBW

facebook

facebook

4art

google+

xing

artconnect

culturehall

twitter

artports

pinterest

Hyperallergic

Irving Sandler Artist file

Kultursever Berlin

brooklynartproject

youtube

youtube

youtube

youtube

artdiscover

art.base

artslant

linkedin

tumblr

 

 



Forum Kriegsenkel

Das Forum Kriegsenkel bietet Interessierten und Betroffenen die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich über die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges bis in die dritte Generation zu informieren. Die Generation der circa zwischen 1960 und 1975 geborenen ist nach dem Krieg in Gesellschaften aufgewachsen, die versuchten, den Krieg hinter sich zu lassen, oft mit wirtschaftlichem Ehrgeiz oder auch durch Emigration. Während die Bundesrepublik das „Wirtschaftswunder“ feierte, entwickelte sich die DDR als „real existierender Sozialismus“ zum ökonomisch stärksten Staat des Warschauer Paktes. Oft wanderten Familien aber auch aus, um so durch einen persönlichen Neustart der Vergangenheit den Rücken zu kehren. Doch hinter den Fassaden der verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Neuorientierungen, der „heilen Welten“, war und ist die Generation der Kriegsenkel umso subtiler von den Wirkungen des Nationalsozialismus und des Krieges betroffen: Denn faschistische Gewalt, Traumata, Ängste, Minderwertigkeitskomplexe und Aggressionen wurden nach dem Krieg weitestgehend dort ausgelebt und weitergereicht, wo die Öffentlichkeit keinen Zutritt hatte: In der Familie.

Über Jahrzehnte wurden und werden familiäre Verstrickungen während der Zeit des Nationalsozialismus tabuisiert und über Kriegserlebnisse geschwiegen. Ein ganzes Kapitel deutscher Familiengeschichte wurde somit auf Jahrzehnte verdrängt. Nicht selten leidet die Kriegsenkel-Generation dadurch an immer wiederkehrenden Blockaden, diffusen Ängsten, dem Gefühl der Heimatlosigkeit, bleiernen Schuldgefühlen oder depressiven Verstimmungen, ohne sich erklären zu können, wo die Probleme ihren Ursprung haben können. Wir wollen denjenigen helfen, die mehr über sich und ihre Familienvergangenheit im Spiegel der Gesellschaft und Geschichte erfahren möchten, um den Ausgangspunkt dieser negativen Energien zu ergründen, verstehen zu lernen und sich schließlich von ihnen zu befreien.

War-Descendents Forum Kriegsenkel

War-Descendents Forum Kriegsenkel provides a platform for exchanging and obtaining information about the after-effects of World War II on the descendents of individuals who lived during the war. War-Descendents – the generation born approximately between 1960 and 1975 – grew up in societies that tried to put WWII behind them, often with economics or emigration. The Federal Republic of Germany celebrated the "economic miracle" while the German Democratic Republic became the most economically-advanced member of the Warsaw Pact. Other Germans emigrated to foreign countries to leave the past behind them and make a fresh start. Yet behind the facades of these restored worlds, there was and remains a generation of children who have been effected in more subtle ways from the rise of National Socialism, the war and the genocide of the Jews. Fascistic violence, trauma, fear, low self-esteem and aggression have all been lived out and passed on in the private sphere of the family, beyond public perception.

Over the decades, the involvement of individual families and family members with National Socialism was and remains a taboo while war experiences have often been silenced. An entire chapter of German family history – in the FRG, GDR and foreign countries where Germans emigrated after WWII – was repressed while problems were displaced onto the next generation. In this way, War-Descendents often may suffer from recurrent psychological blocks, diffuse fears, heavy feelings of guilt or feelings of depression, yet without being able to explain the origin of such experiences.
We would like to help those who are interested in learning more about themselves and their family pasts in light of both society and history. We hope to provide a point of departure for grasping these negative legacies, for learning to understand them and, ultimately, for freeing oneself from them.

 

 

Zur Erinnerung: Alle sechs Flugblätter der weißen Rose zum Nachlesen.

 

 

"Der, des Verwaltung unauffällig ist, des Volk ist froh. Der, des Verwaltung aufdringlich ist, des Volk ist gebrochen. Elend, ach, ist es, worauf Glück sich aufbaut. Glück, ach, verschleiert nur Elend. Wo soll das hinaus? Das Ende ist nicht abzusehen. Das Geordnete verkehrt sich in Unordnung, das Gute verkehrt sich in Schlechtes. Das Volk gerät in Verwirrung. Ist es nicht so, täglich, seit langem? Daher ist der Hohe Mensch rechteckig, aber er stößt nicht an, er ist kantig, aber verletzt nicht, er ist aufrecht, aber nicht schroff. Er ist klar, aber will nicht glänzen." Laozi

Reich ist, wer weiß, dass er genug hat. Laozi

Genug zu haben ist Glück, mehr als genug zu haben ist unheilvoll. Das gilt von allen Dingen, aber besonders vom Geld. Laozi

Die Dinge sind dazu da, dass man sie benutzt, um das Leben zu gewinnen, und nicht, dass man das Leben benutzt, um die Dinge zu gewinnen. Laozi

Nur wer sich in Genügsamkeit genügt, hat stets genug. Laozi

Der Weise ist nicht gelehrt, der Gelehrte ist nicht weise. Laozi

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr. Laozi

Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus. Laozi

Wer weiß, spricht nicht, wer spricht, weiß nicht. Laozi

Weiser ist die Weisheit, die schwer errungen werden musste. Laozi

Wer sich auf die Zehen stellt, steht nicht fest. Laozi

Wer sich am Ziel glaubt, geht zurück. Laozi

Das Böse lebt nicht in der Welt der Menschen. Es lebt allein im Menschen. Laozi

Der Weise lebt in der Einfalt und ist ein Beispiel für viele. Er will nicht selber scheinen, darum wird er erleuchtet. Laozi

Besser als einer, der weiß, was recht ist, ist einer, der liebt, was recht ist; und besser als einer, der liebt, was recht ist, ist einer der Begeisterung fühlt für das, was recht ist. Laozi

Reisen ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt. Laozi

Der sittliche Mensch liebt seine Seele, der gewöhnliche sein Eigentum. Konfuzius

Das Wichtigste im Leben ist Treue zu sich selbst und Güte zu Anderen. Konfuzius

Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den Anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben. Konfuzius

Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, so ist es sinnlos, miteinander zu planen. Konfuzius

Von Natur aus sind die Menschen fast gleich. Erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander. Konfuzius

Das Wasser nimmt nicht mehr Platz ein als es wirklich bedarf. So gleicht es der Mäßigung. Konfuzius

Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Konfuzius

Das Rechte erkennen und nichts tun, ist Mangel an Mut. Konfuzius

Das Aussehen eines Menschen siehst du bei Licht, seinen Charakter jedoch, erkennst du im Dunkeln. Konfuzius

Der Weise sucht, was in ihm selber ist, der Tor, was außerhalb. Konfuzius

Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen. Konfuzius

Phantsie ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen ist begrenzt. Albert Einstein

Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt. Albert Einstein

Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt. Albert Einstein

Um ein tadeloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf ein. Albert Einstein

Gesunder Menschenverstand ist eigentlich nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat. Albert Einstein

Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will. Albert Einstein

Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch. Albert Einstein

Statt dass der Mensch eine druchstrahlende Wesenheit, ein sonnenhaftes und funkelndes Dasein anstrebt, anstatt für sich selbst zu leben - nicht im Sinne von Selbstsucht, sondern von innerem Wachstum -, ist er zum sündigen und impotenten Knecht von draußen verfallen.
Emil M. Cioran Auf den Gipfeln der Verzweiflung

Ein Müßiggänger hat unendlich viel mehr Sinn für Metaphysik als der Betriebsame.
Emil M. Cioran Auf den Gipfeln der Verzweiflung

Im Grunde sind alle Ideen falsch und absurd. Es bleiben nur die Menschen, so wie sie sind ... ich bin von jeder Ideologie geheilt.
Emil M. Cioran Lehre von Zerfall

Die Menschen arbeiten gemeinhin allzu viel, um noch sie selbst sein zu können.
Emil M. Cioran Auf den Gipfeln der Verzweiflung

Das ganze Geheimnis des Lebens läuft darauf hinaus, dass es keinerlei Sinn hat; dass aber jeder von uns dennoch einen ausfindig macht!
Emil M. Cioran Gedankendämmerung

Leiden heißt Erkenntnis produzieren.
Emil M. Cioran Die verfehlte Schöpfung

Geschwätz ist jede Konversation mit einem, der nicht gelitten hat.
Emil M. Cioran Die verfehlte Schöpfung

"Das Auge der Erkenntnis", ein Analphabet kann es besitzen und sich damit über jeden Wissenschaftler erheben.
Emil M. Cioran Die verfehlte Schöpfung


Das Leben verlieren ist keine große Sache; aber zusehen, wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird, das ist unerträglich.
Albert Camus


Die höchste Form der Hoffnung ist die überwundene Verzweiflung.
Albert Camus


Äußere Ordnung ist oft nur der verzweifelte Versuch, mit einer großen inneren Unordnung fertig zu werden.
Albert Camus


Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance.
Albert Camus


Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
Albert Camus


Wenn die Welt klar wäre, gäbe es keine Kunst.
Albert Camus


Die Wahrheit ist keine Tugend, sondern eine Leidenschaft. Deshalb ist sie niemals barmherzig.
Albert Camus


Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.
Albert Camus


Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit.
Albert Camus


Das menschliche Herz hat eine fatale Neigung, nur etwas Niederschmetterndes Schicksal zu nennen.
Albert Camus

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
Søren Kierkegaard


Die Menschen scheinen die Sprache nicht empfangen zu haben, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben.
Søren Kierkegaard


Schon die Freundschaft ist gefährlich; aber die Ehe ist noch gefährlicher, denn die Frau ist und bleibt das Verderben des Mannes, wenn er ein dauerndes Verhältnis mit ihr eingeht.
Søren Kierkegaard


Man unterziehe sich niemals einer Berufsarbeit. Tut man das, so wird man schlecht und recht ein Allerweltsmensch, ein kleines Rädchen in der Maschine des Staatsorganismus.
Søren Kierkegaard


Je mehr man sich beschränkt, um so erfinderischer wird man.
Søren Kierkegaard


Je mehr Leute es sind, die eine Sache glauben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Ansicht falsch ist. Menschen, die recht haben, stehen meistens allein.
Søren Kierkegaard


Darum ist die Natur so groß, weil sie vergessen hat, dass sie Chaos war; und doch kann es ihr auch wieder einfallen, wenn es sein muss.
Søren Kierkegaard


Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.
Søren Kierkegaard


Die Wahrheit ist immer in der Minderheit.
Søren Kierkegaard


Die Sonne scheint für dich – deinetwegen; und wenn sie müde wird, beginnt der Mond, und dann werden die Sterne angezündet.
Es wird Winter, die ganze Schöpfung verkleidet sich, spielt Verstecken, um dich zu vergnügen.
Es wird Frühling; Vögel schwärmen herbei, dich zu erfreuen; das Grün sprießt, der Wald wächst schön und steht da wie eine Braut, um dir Freude zu schenken.
Es wird Herbst, die Vögel ziehn fort, nicht weil sie sich rar machen wollen, nein, nur damit du ihrer nicht überdrüssig würdest.
Der Wald legt seinen Schmuck ab, nur um im nächsten Jahr neu zu erstehen, dich zu erfreuen....
All das sollte nichts sein, worüber du dich freuen kannst?
Lerne von der Lilie und lerne vom Vogel, deinen Lehrern: zu sein heißt: für heute dasein – das ist Freude.
Lilie und Vogel sind unsere Lehrer der Freude.
Søren Kierkegaard


Sich um die Liebe zu betrügen, ist der fürchterlichste Betrug; es ist ein ewiger Verlust, der sich nie ersetzen läßt, weder in der Zeit noch in der Ewigkeit.
Søren Kierkegaard


Meine Zeit teile ich so ein: die eine Hälfte verschlafe ich, die andere verträume ich. Wenn ich schlafe, so träume ich nie. Das wäre Sünde. Schlafen ist die höchste Genialität.
Søren Kierkegaard


Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir nicht Reichtum und Macht wünschen, sondern ein leidenschaftliches Gespür für Potential - ein Auge, das, immer jung und feurig, das Mögliche sieht. Das Vergnügen enttäuscht, die Möglichkeit nie.
Søren Kierkegaard


Wahrheit steht am Anfang des Vertrauens. Je echter die Wahrheit, um so kürzer der Weg zur Verständigung.
Søren Kierkegaard


Jede ästhetische Lebensanschauung ist Verzweiflung.
Søren Kierkegaard


Geist ist, welche Macht die Erkenntnis über das Leben besitzt.
Søren Kierkegaard


Wenn man einmal ganz in das Reich der Liebe eingetreten ist, dann wird die Welt, so mangelhaft sie auch ist, dennoch schön und reich; denn sie besteht aus lauter Gelegenheiten zur Liebe.
Søren Kierkegaard


Der Glaube beginnt da, wo das Denken aufhört.
Søren Kierkegaard


Das Genie ist wie das Donnerwetter: Es geht gegen den Wind, schreckt die Menschen und reinigt die Luft.
Søren Kierkegaard


Alles kommt wieder, aber auf eine andere Weise.
Søren Kierkegaard


Ein sonderbares Wesen, der Mensch! Die Freiheit, die er hat, gebraucht er nie, sondern wünscht sich immer eine, die er nicht hat: Er hat Denkfreiheit, und er verlangt Redefreiheit.
Søren Kierkegaard


Soviel ich das Leben betrachte, ich kann keinen Sinn hineinbringen. Ich glaube, mir hat ein böser Geist eine Brille auf die Nase gesetzt, von deren Gläsern das eine in ungeheurem Maßstab vergrößert, während das andere im selben Maßstab verkleinert.
Søren Kierkegaard


Ein Mann kann nie so grausam sein wie ein Weib: die Mythologie, die Märchen, die Volkssagen bestätigen das. – Wie oft liest man im Volksmärchen von einer Jungfrau, die kaltblütig mit ansieht, wie ihre Freier das Leben daransetzen, sie zu gewinnen.
Søren Kierkegaard


Das Selbst zu sein, das man in Wahrheit ist.
Søren Kierkegaard


Mein Kummer ist meine Ritterburg; sie liegt wie ein Adlerhorst auf der Spitze eines Berges und ragt hoch in die Wolken. Niemand kann sie stürmen.
Søren Kierkegaard


Was ist denn Sanftmut anderes als: die schwere Last leicht tragen,
wie Ungeduld und Verdrießlichkeit nichts anderes sind, als:
die leichte Last schwer tragen.
Søren Kierkegaard


Am besten, man lebt in einer nicht zu schönen Gegend. Weil einem sonst nichts einfällt. Thomas Bernhard

Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst, das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. Thomas Bernhard

Ich sehne mich immer nach dem Alleinsein, aber bin ich allein, bin ich der unglücklichste Mensch. Thomas Bernhard

Es gibt ja nicht Verlogeneres, als diese Geburtagsfeiern, zu welchen sich die Menschen hergeben, nichts Widerwärtigeres als die Geburtagsheuchlerei. Thomas Bernhard

Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt. Thomas Bernhard

Das Leben ist ein Prozeß, den man verliert, was man auch tut und wer man auch ist. Thomas Bernhard

Die Schule an sich sei der Mörder des Kindes. Thomas Bernhard

Die Lehrer verderben die Schüler, das ist eine jahrhundertealte Tatsache, und die österreichischen Lehrer inbesondere verderben in den Schülern vor allem von Anfang an den Kunstgeschmack. Thomas Bernhard

Wenn man die Gemeinheit der Bewohner mit der Schönheit der Landschaft verrechnet, kommt man auf Selbstmord. Thomas Bernhard

Überhaupt hatten wir den Horowitzkurs nur deshalb fortsetzen können, weil wir aus der Stadt ausgezogen sind, die im Grunde die kunst- und geistfeindlichste ist, die man sich denken kann, ein stumpfsinniges Provinznest mit dummen Menschen und kalten Mauern, in welchen mit der Zeit alles zum Stumpfsinn gemacht wird, ausnahmslos. Die Salzburger waren immer fürchterlich wie ihr Klima und heute ist alles noch viel fürchterlicher. Thomas Bernhard

Menschen, die ein Gespräch führen wollten, waren mir schon immer verdächtig. Gut reden kann man mit einfachen Leuten. Thomas Bernhard

Ausgerechnet der Mensch ist unmenschlich. Thomas Bernhard

Das Leben ist eine immer dichter werdende Folge von Finsternissen. Thomas Bernhard

Das geheimgehaltene Denken ist das Entscheidende. Thomas Bernhard

Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Außen rot, innen braun und immer ein bißchen betrunken. Thomas Bernhard

Die Zeitalter sind schwachsinnig, der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und zur Geistesschwäche verurteilt ist. Thomas Bernhard

Wir Österreicher haben nichts zu berichten, außer, dass wir erbärmlich sind. Thomas Bernhard

Genie ist eine Verkrüppelung Thomas Bernhard

Da ich nicht denke, daß die Frau von Natur aus dem Manne unterlegen ist, denke ich auch nicht, daß sie ihm von Natur aus überlegen ist.
Simone de Beauvoir


Ein Gefühl ist ein Engagement, das den Augenblick überschreitet.
Simone de Beauvoir


Man weigert sich, solange man im jugendlichen Drang den wechselvollen Alltag genießt, in den Greisen das eigene Schicksal zu sehen.
Simone de Beauvoir


Die Frau ist Feld und Weide, aber sie ist auch Sodom und Gomorrha.
Simone de Beauvoir


Eine Frau, die den Verlust eines Kindes durchgemacht hat, erschrickt nicht mehr. Eine Mutter, die ihr Kind schlägt, schlägt nicht nur das Kind, und in gewissem Sinne schlägt sie es überhaupt nicht: Sie rächt sich an einem Mann, an der Welt oder an sich selbst.
Simone de Beauvoir


Altern heißt sich über sich selbst klar werden.
Simone de Beauvoir


Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.
Simone de Beauvoir


Die Harmonie zwischen zwei Menschen ist niemals gegeben. Sie muss immer wieder neu erobert werden.
Simone de Beauvoir

Alles Gescheite mag schon siebenmal gedacht worden sein. Aber wenn es wieder gedacht wurde, in anderer Zeit und Lage, war es nicht mehr dasselbe. Ernst Bloch

Auf tausend Kriege kommen nicht zehn Revolutionen. Ernst Bloch

Das Beste, was das Christentum hervorgebracht hat, sind seine Ketzer. Ernst Bloch

Denken heißt Überschreiten. Ernst Bloch

Es gibt mystischen Nebel, doch ebenso gibt es einen Nebel der Unwissenheit, dem alles, was er nicht versteht, bereits mystisch vorkommt und damit abgetan ist. Ernst Bloch

Es gibt Untaten, über welche kein Gras wächst. Ernst Bloch

Hier überall ist Kunst ein Quietiv, kein Aufruf, nicht einmal ein Trostgesang. . . Ernst Bloch

Irren mag menschlich sein, aber Zweifeln ist menschlicher, indem es gegen das Irren angeht. Ernst Bloch

Kunst ist absolute Endlichkeit, auch dort, wo sie, wie in allen ihren bedeutenden Äußerungen, transparent ist. Ernst Bloch

Man lebt nicht, um zu leben. Sondern weil man lebt und hat sich dies Weil nicht ausgesucht. Ernst Bloch

Die Liebe ist eine Reise in ein gänzlich neues Leben. Ernst Bloch

Nichts vergessen, alles verwandeln. Ernst Bloch

Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt.
Franz Kafka

Das Glück, das dir am meisten schmeichelt, betrügt dich am ehesten.
Franz Kafka

Was ist Liebe? Das ist doch ganz einfach! Liebe ist alles, was unser Leben steigert, erweitert, bereichert. Nach allen Höhen und Tiefen. Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur Lenker, die Fahrgäste und die Straße.
Franz Kafka


Die Furcht ist das Unglück, deshalb ist nicht Mut das Glück, sondern Furchtlosigkeit.
Franz Kafka

Die dir zugemessene Zeit ist so kurz, daß du, wenn du eine Sekunde verlierst, schon dein ganzes Leben verloren hast, denn es ist nicht länger; es ist immer nur so lang wie die Zeit, die du verlierst.
Franz Kafka

Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von deinen. Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest du von mir mehr als von der Hölle, wenn dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich (...) stehen, wie vor dem Eingang zur Hölle.
Franz Kafka


Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen.
Franz Kafka


Wir brauchen Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in die Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Franz Kafka


Du kannst dich zurückhalten von den Leiden der Welt, das ist dir freigestellt und entspricht deiner Natur, aber vielleicht ist gerade dieses Zurückhalten das einzige Leid, das du vermeiden könntest.
Franz Kafka


Ich muß viel allein sein. Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.
Franz Kafka


Der Geist wird erst frei, wenn er aufhört, Halt zu sein.
Franz Kafka


Es ist sehr gut denkbar, daß die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereitliegt, aber verhängt, in der Tiefe unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie.
Franz Kafka


Man muß ins Dunkel hineinschreiben wie in einen Tunnel.
Franz Kafka


Wer der Welt entsagt, muß alle Menschen lieben, denn er entsagt auch ihrer Welt. Er beginnt daher, das wahre menschliche Wesen zu ahnen, das nicht anders als geliebt werden kann, vorausgesetzt, daß man ihm ebenbürtig ist.
Franz Kafka


Wege, die in die Zukunft führen, liegen nie als Wege vor uns. Sie werden zu Wegen erst dadurch, daß man sie geht.
Franz Kafka


Das Glück begreifen, daß der Boden, auf dem du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße ihn bedecken.
Franz Kafka


Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar. Man schämt sich nicht mehr, sterben zu wollen; man bittet, aus der alten Zelle, die man haßt, in eine neue gebracht zu werden, die man erst hassen lernen wird. Ein Rest von Glauben wirkt dabei mit, während des Transportes werde zufällig der Herr durch den Gang kommen, den Gefangenen ansehen und sagen: "Diesen sollt ihr nicht wieder einsperren. Er kommt zu mir!"
Franz Kafka


Manche leugnen den Jammer durch Hinweis auf die Sonne, er leugnet die Sonne durch Hinweis auf den Jammer.
Franz Kafka


Geiz ist ja eines der verläßlichsten Anzeichen tiefen Unglücklichseins.
Franz Kafka


Dichtung ist immer nur eine Expedition nach der Wahrheit.
Franz Kafka


Der Wunsch nach besinnungsloser Einsamkeit. Nur mir gegenübergestellt sein.
Franz Kafka


Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.
Franz Kafka


In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.
Franz Kafka


Der Schlüssel zur ewigen Jugend ist die Fähigkeit, das Schöne zu sehen! Wer diese Fähigkeit besitzt, wird niemals alt.
Franz Kafka


Die Träumenden und die Wünschenden halten den feineren Stoff des Lebens in den Händen.
Franz Kafka

Nicht jeder kann die Wahrheit sehn, aber sein.
Franz Kafka

Von außen wird man die Welt mit Theorien immer siegreich eindrücken und gleich mit in die Grube fallen, aber nur von innen sich und sie still und wahr erhalten.
Franz Kafka

 

 


Erich Mühsam 1909

Ich will alleine über die Berge gehen

Ich will alleine über die Berge gehn,
und keiner soll von meinen Wegen wissen;
denn wer den Pfad zu meinen Höhn gesehn,
hat mich von meinen Höhn herabgerissen.

Ich will alleine über die Berge gehn,
mein Lied soll ungehört am Fels verklingen,
und meine Klage soll im Wind verwehn; -
nur wer dem eignen Herzen singt, kann singen; -

nur wer dem eigenen Herzen klagt, kann klagen;
nur wer das eigne Herz erkennt, kann sehn. -
Hinauf zu mir! Ich will der Welt entsagen,
und will alleine über die Berge gehn.

Erich Mühsam

Jeden Abend werfe ich

Jeden Abend werfe ich
eine Zukunft hinter mich,
die sich niemals mehr erhebt –

denn sie hat im Geist gelebt.
Neue Bilder werden, wachsen;
Welten drehn um neue Achsen,
werden, sterben, lieben, schaffen.
Die Vergangenheiten klaffen. –

Tobend, wirbelnd stürzt die Zeit
in die Gruft. – Das Leben schreit!

Ludwig Tieck

WALDEinsamkeit,
Die mich erfreut,
So morgen wie heut
In ew´ger Zeit,
O wie mich freut
Waldeinsamkeit.

Herrmann Hesse

Die Welt unser Traum

Nachts im Traum die Städt' und Leute,
Ungeheuer, Luftgebäude,
Alle, weißt du, alle steigen
Aus der Seele dunklem Raum,
Sind dein Bild und Werk, dein eigen,
Sind dein Traum.

Geh am Tag durch Stadt und Gassen,
Schau in Wolken, in Gesichter,
Und du wirst verwundert fassen:
Sie sind dein, du bist ihr Dichter!
Alles, was vor deinen Sinnen
Hundertfältig lebt und gaukelt,
Ist ja dein, ist in dir innen,
Traum, den deine Seele schaukelt.

Durch dich selber ewig schreitend,
Bald beschränkend dich, bald weitend,
Bist du Redender und Hörer,
Bist du Schöpfer und Zerstörer.
Zauberkräfte, längst vergeßne,
Spinnen heiligen Betrug,
Und die Welt, die unermeßne,
Lebt von deinem Atemzug.

Günter Eich 1950

Wacht auf

Wacht auf, - denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, - weil das Entsetzliche näher kommt.

Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiß.

"Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita, woran sie drei Wochen gestickt hat,

oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern abend:
Osterlämmer, erwachende Natur, Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen, -
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.

Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihm vergißt man das Ärgerliche der Welt, jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
Die Frau, Mutter von sieben Kindern, kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter liegt als der andre.
Und was kommen mag, unsere Enkel mögen es ausfechten."

Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

Erich Kästner 1928

Stimmen aus dem Massengrab

Da liegen wir und gingen längst in Stücken.
Ihr kommt vorbei und denkt: sie schlafen fest.
Wir aber liegen schlaflos auf dem Rücken,
weil uns die Angst um Euch nicht schlafen lässt.

Wir haben Dreck im Mund. Wir müssen schweigen.
Und möchten schreien, bis das Grab zerbricht!
Und möchten schreiend aus den Gräbern steigen!
Wir haben Dreck im Mund. Ihr hört uns nicht.

Ihr hört nur auf das Plaudern der Pastoren,
wenn sie mit ihrem Chef vertraulich tun.
Ihr lieber Gott hat einen Krieg verloren
und lässt euch sagen: Laßt die Toten ruhn!

Ihr dürft die Angestellten Gottes loben.
Sie sprachen schön am Massengrab von Pflicht.
Wir lagen unten, und sie standen oben.
„Das Leben ist der Güter höchstes nicht.“

Da liegen wir, den toten Mund voll Dreck.
Und es kam anders, als wir sterbend dachten.
Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck.
Ihr lasst Euch morgen, wie wir gestern, schlachten.

Vier Jahre Mord, und dann ein schön Geläute!
Ihr geht vorbei und denkt: sie schlafen fest.
Vier Jahre Mord, und ein paar Kränze heute.
Verlasst Euch nie auf Gott und seine Leute!
Verdammt, wenn ihr das je vergeßt!

Ingeborg Bachmann 1942/1943

Ich

Sklaverei ertrag ich nicht
Ich bin immmer ich
Will mich irgend etwas beugen
Lieber breche ich.

Kommt des Schicksals Härte
oder Menschenmacht
Hier, so bin ich und so bleib ich
Und so bleib ich bis zur letzten Kraft.

Darum bin ich stets nur eines
Ich bin immer ich
Steige ich, so steig ich hoch
Falle ich, so fall ich ganz.

Ingeborg Bachmann 1944

Nach grauen Tagen

Eine einzige Stunde frei sein!
Frei, fern!
Wie Nachtlieder in den Sphären.
Und hoch fliegen über den Tagen
möchte ich
und das Vergessen suchen---
über das dunkle Wasser gehen
nach weißen Rosen,
meiner Seele Flügel geben
und, oh Gott, nichts wissen mehr
von der Bitterkeit langer Nächte,
in denen die Augen groß werden
vor namenloser Not.
Tränen liegen auf meinen Wangen
aus den Nächten des Irrsinns,
des Wahnes schöner Hoffnung,
dem Wunsch, Ketten zu brechen
und Licht zu trinken---
Eine einzige Stunde Licht schauen!
Eine einzige Stunde frei sein!

Ingeborg Bachmann 1954

Nebelland

Im Winter ist meine Geliebte 
unter den Tieren des Waldes. 
Daß ich vor Morgen zurückmuß, 
weiß die Füchsin und lacht. 
Wie die Wolken erzittern! Und mir 
auf den Schneekragen fällt 
eine Lage von brüchigem Eis. 

Im Winter ist meine Geliebte 
ein Baum unter Bäumen und lädt 
die glückverlassenen Krähen 
ein in ihr schönes Geäst. Sie weiß, 
daß der Wind, wenn es dämmert, 
ihr starres, mit Reif besetztes 
Abendkleid hebt und mich heimjagt. 

Im Winter ist meine Geliebte 
unter den Fischen und stumm. 
Hörig den Wassern, die der Strich 
ihrer Flossen von innen bewegt, 
steh ich am Ufer und seh, 
bis mich Schollen vertreiben, 
wie sie taucht und sich wendet. 

Und wieder vom Jagdruf des Vogels 
getroffen, der seine Schwingen 
über mir steift, stürz ich 
auf offenem Feld: sie entfiedert 
die Hühner und wirft mir ein weißes 
Schlüsselbein zu. Ich nehm’s um den Hals 
und geh fort durch den bitteren Flaum. 

Treulos ist meine Geliebte, 
ich weiß, sie schwebt manchmal 
auf hohen Schuh’n nach der Stadt, 
sie küßt in den Bars mit der Strohhalm 
die Gläser tief auf den Mund, 
und es kommen ihr Worte für alle. 
Doch diese Sprache verstehe ich nicht. 

Nebelland hab ich gesehen, 
Nebelherz hab ich gegessen. 

Ingeborg Bachmann 1954

Das Spiel ist aus

Mein lieber Bruder, wann bauen wir uns ein Floß
und fahren den Himmel hinunter?
Mein lieber Bruder, bald ist die Fracht zu groß
und wir gehen unter.

Mein lieber Bruder, wir zeichnen aufs Papier
viele Länder und Schienen.
Gib acht, vor den schwarzen Linien hier
fliegst du hoch mit den Minen.

Mein lieber Bruder, dann will ich an den Pfahl
gebunden sein und schreien.
Doch du reitest schon aus dem Totental
und wir fliehen zu zweien.

Wach im Zigeunerlager und wach im Wüstenzelt,
es rinnt uns Sand aus den Haaren,
dein und mein Alter und das Alter der Welt
mißt man nicht mit den Jahren.

Laß dich von listigen Raben, von klebriger Spinnenhand
und der Feder im Strauch nicht betrügen,
iß und trink auch nicht im Schlaraffenland,
es schäumt Schein in den Pfannen und Krügen.

Nur wer an der goldenen Brücke für die Karfunkelfee
das Wort noch weiß, hat gewonnen.
Ich muß dir sagen, es ist mit dem letzten Schnee
im Garten zerronnen.

Von vielen, vielen Steinen sind unsere Füße so wund.
Einer heilt. Mit dem wollen wir springen,
bis der Kinderkönig, mit dem Schlüssel zu seinem Reich
im Mund,
uns holt, und wir werden singen:

Es ist eine schöne Zeit, wenn der Dattelkern keimt!
Jeder, der fällt, hat Flügel.
Roter Fingerhut ist´s, der den Armen das Leichentuch
säumt,
und dein Herzblatt sinkt auf mein Siegel.

Wir müssen schlafen gehn, Liebster, das Spiel ist aus.
Auf Zehenspitzen. Die weißen Hemden bauschen.
Vater und Mutter sagen, es geistert im Haus,
wenn wir den Atem tauschen.

Joseph von Eichendorff

Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nur träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Erich Fried 1987

Gegen Vergessen

Ich will mich erinnern
dass ich nicht vergessen will
denn ich will ich sein
Ich will mich erinnern
dass ich vergessen will
denn ich will nicht zuviel leiden

Ich will mich erinnern
dass ich nicht vergessen will
dass ich vergessen will
denn ich will mich kennen

Denn ich kann nicht denken
ohne mich zu erinnern
denn ich kann nicht wollen
ohne mich zu erinnern
denn ich kann nicht lieben
denn ich kann nicht hoffen
denn ich kann nicht vergessen
ohne mich zu erinnern

Ich will mich erinnern
an alles was man vergisst
denn ich kann nicht retten
ohne mich zu erinnern
auch mich nicht und nicht meine Kinder
Ich will mich erinnern
an die Vergangenheit und an die Zukunft
und ich will mich erinnern
wie bald ich vergessen muss
und ich will mich erinnern
wie bald ich vergessen sein werde

 

 

 

 

mail@christianmoeller.eu

 

imprint

Editor: Christian Moeller
mail[at]christianmoeller.eu
www.christianmoeller.eu

Photo and picture material hosted on this website: Unless picture credits are shown directly, all image rights (photographs or image files) originate from the following source: Christian Moeller, © Christian Moeller.
Disclaimer: The homepage, the overview pages and the collection of articles are protected by copyright. The pages may only be reproduced for personal use. Their content may not be changed and copies may neither be distributed nor used in publicly available reproductions. Individual articles are also protected through copyright. We cannot accept any liability regarding the accuracy and completeness of the information hosted on the website. We refuse all liability for damages that may arise directly or indirectly through the use of the website and the information contained therein. Furthermore, we do not accept any liability for the content of other websites, which can be visited via hyperlinks. These are third party websites, over which www.christianmoeller.eu bears no influence. These hyperlinks are provided as a service by www.christianmoeller.eu and we are not responsible for the content. If you should come across any illegal content on third party websites reachable through hyperlinks hosted on our web page, we request that you inform us so that we can remove the reference to the content in question.

©-all copyrights by christianmoeller.eu, dem Künstler und den Autoren / VG Bild-Kunst, Bonn / Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung und Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Künstlers. Die veröffentlichten Links wurden mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Der Seitenbetreiber hat keinen Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der verlinkten Seiten. Er ist nicht für den Inhalt der verknüpften Seiten verantwortlich und macht sich den Inhalt nicht zu Eigen. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte sowie für Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Webseite, auf die verwiesen wurde.